Prof. Dr. Michel Clement, Marketingexperte an der Universität Hamburg:

Eine Flatrate von 12 Euro wäre optimal

Prof. Michel Clement legt erste Preisstudie zu digitalen Angeboten vor

Eine Flatrate von 12 Euro wäre optimal

Prof. Michel Clement ist Lehrstuhlinhaber für Marketing an der Universität Hamburg.

Angesichts sinkender Auflagen und rückläufiger Werbeumsätze in den klassischen Angeboten ist es eine Schlüsselfrage für die Zukunft der Medien, was der Hamburger Marketingexperte Prof. Dr. Michel Clement in den vergangenen Wochen untersucht hat: Wie groß ist eigentlich der digitale Markt für Zeitungen und Zeitschriften und welche Preise sind auf diesem Markt realisierbar?

In den letzten Juli- und ersten Augusttagen dieses Jahres haben Prof. Clement und sein Forscherteam fast 2000 Leser in einer repräsentativen Studie befragt. Anlass für die Studie war das Entstehen so genannter digitaler Zeitungskioske wie beispielsweise „Blendle“. Der Digitalkiosk „Blendle“ war 2014 zunächst in den Niederlanden gestartet und über ihn können auch deutsche Leser seit Herbst 2015 einzelne Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften erwerben. In der Regel für Cent-Beträge unter einem Euro.

Prof. Clement wollte eine Antwort auf die Frage finden, mit welchen Preismodellen Angebote wie „Blendle“ erfolgreich sein können. Beim Funkinform Medien-Tag in Regensburg gab der Marketing-Lehrstuhlinhaber einen ersten Einblick in seine Studienergebnisse. Zwei zentrale Erkenntnisse der Studie lauten: Erstens scheint eine monatliche Flatrate von 12 Euro für einen bundesweiten Artikeldienst das Preismodell zu sein, das bei den potentiellen Kunden auf das größte Interesse stoßen würde. Das Preisniveau von 12 Euro stellt durchaus eine positive Nachricht dar.

Zweitens werden die Nutzer eines solchen Dienstes aber wohl hauptsächlich von anderen Bezahlinhalten abwandern, etwa von einem Printabo kommen und kaum aus dem Kreis der bisherigen „Kostenlos-Leser“ stammen. Die „Kostenlos-Leser“ bleiben „Kostenlos-Leser“, unabhängig vom Preismodell und Preisniveau. Die Gefahr der Kannibalisierung wäre also nicht gebannt.

Die Forscher haben zudem festgestellt, dass das Publikum durch andere digitale Dienste wie Netflix (Filme), Spotify (Musik) oder Skoobe (Bücher) bereits Flatrates als optimales Preismodell gewöhnt ist. Bei diesen Diensten liegen die Preise in vergleichbarer Größenordnung.


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