Medien-Tag: Spannende Vorträge zu Innovationen in Verlagen

Medien-Tag: Spannende Vorträge 
zu Innovationen in Verlagen

Mit spannenden Vorträgen zu Innovationen in der Verlagswelt machten die Referenten den Funkinform Medien-Tag zu einem vollen Erfolg.

Innovationen in der Medienwirtschaft standen in diesem Jahr beim Funkinform Medien-Tag im Mittelpunkt. Dabei erwies sich die Tagung wieder als wichtiger Branchentreff. Moderiert von Funkinform-Geschäftsführer Jens Seidel tauschten sich Praktiker aus Zeitungsverlagen mit Wissenschaftlern, Entwicklern und Unternehmensberatern zu den Zukunftsfragen der Medien-Industrie aus.

Aufsehen erregte vor allem der Marketing-Experte Prof. Michel Clement, der erstmals Ergebnisse einer aktuellen Preisstudie vorstellte. Angesichts von sinkenden Auflagen und rückläufigen Werbeumsätze in den klassischen Angeboten ist es eine Schlüsselfrage für die Zukunft der Verlage, was der Hamburger Wissenschaftler in den vergangenen Wochen untersucht hat: Wie groß ist eigentlich der digitale Markt für Zeitungen und Zeitschriften und welche Preise sind auf einem solchen Markt realisierbar?

In den letzten Juli- und ersten Augusttagen dieses Jahres haben Prof. Clement und sein deutsch-niederländisches Forscherteam fast 2000 Leser in einer repräsentativen Studie befragt. Anlass für die Untersuchung war das Entstehen so genannter digitaler Zeitungskioske wie beispielsweise „Blendle“. Den befragten Mediennutzern wurden verschiedene Preismodelle und Preisniveaus zur Auswahl vorgestellt.

Zwei zentrale Erkenntnisse der Studie lauten: Erstens scheint eine monatliche Flatrate von 12 Euro für einen bundesweiten digitalen Artikeldienst das Preismodell zu sein, das bei den potentiellen Kunden auf das größte Interesse stoßen würde. Zweitens werden die Nutzer eines solchen Dienstes aber wohl hauptsächlich von anderen Bezahlinhalten abwandern, etwa von einem Printabo kommen, und kaum aus dem Kreis der bisherigen „Kostenlos-Leser“. Die „Kostenlos-Leser“ bleiben „Kostenlos-Leser“, unabhängig vom Preismodell und vom Preisniveau, haben die Forscher herausgefunden. Die Gefahr der Kannibalisierung sei also nicht gebannt.

Die Forscher haben zudem festgestellt, dass das Publikum durch andere digitale Dienste wie Netflix (Filme), Spotify (Musik) oder Skoobe (Bücher) bereits Flatrates als optimales Preismodell gewöhnt sind. Bei diesen Diensten liegen die Preise in vergleichbarer Größenordnung.

In weiteren Vorträgen beim Funkinform Medien-Tag beleuchtete Kerstin Saathoff von Google Germany das kreative Potential der Medien für neue Produkte und neue Märkte, während sich Dr. Marco Olavarria, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Kirchner + Robrecht, mit optimierten Organisationsmodellen in Medienunternehmen beschäftigte. Den Einzug künstlicher Intelligenz in die Medienwirtschaft in Form von Daten- und Roboterjournalismus beurteilte Prof. Thomas Breyer-Mayländer von der Hochschule Offenburg eher als eine Chance denn eine Gefahr im Newsgeschäft.

Das Smartphone stellt Verlage und Werbewirtschaft gleichermaßen vor neue Herausforderungen. Prof. Christof Seeger zeigte, wie mobile Werbeformate wirkungsvoll sein können, wenn sie sachlich und informativ auftreten. Holger Schellkopf, stellvertretender Chefredakteur der „Mittelbayerischen Zeitung“, sieht in den Messengern nicht nur erfolgreiche private Kommunikationswege, sondern betrachtet die Messenger als echte künftige Nachrichtenkanälen für Medien.

Durch den Mindestlohn hat sich die Veränderungsbereitschaft in der Logistik deutlich erhöht, meint Markus Bohl, Berater für Verlagslogistik. Er rief die Verlage dazu auf, in den kommenden fünf Jahren bis 2022 ihren Vertrieb für neue Serviceleistungen und Produkte konsequent umzubauen. Nur mit umfassender Datentransparenz sieht Datomino-Geschäftsführer Andreas Johannes Möglichkeiten, um die im Vertriebsgeschäft notwendigen Kostenreduzierungen zu schaffen. Mit Geodaten müssten bei Vertriebstouren die Laufwege der Zusteller und die Abladestellen optimiert werden.

Der Medien-Tag fand diesmal bei der „Mittelbayerischen Zeitung“ in Regensburg statt. Die Regionalzeitung zählt seit Jahren zu den erfolgreichen Anwendern des Redaktionssystems DIALOG und hat ihren eindrucksvollen Newsroom mit der Funkinform-Software vernetzt.


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